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Ratgeber Technik & Funktion Inspiration & Stilwelten Tipps vom Ofenbauer

Wie moderne Technik dem alten Hafnerhandwerk dient

Eine Kachel entsteht dort, wo Erde in ihre wertvollste Form gebracht wird: Ton, Kaolin, Schamotte und Wasser, geformt in einer Gipsform, tagelang getrocknet, glasiert und bei über tausend Grad gebrannt. An diesem Grundprozess hat sich seit Generationen wenig geändert – und genau darin liegt für viele Kunden der Reiz. Was sich in den letzten Jahren dagegen deutlich verändert hat, ist der Weg dorthin, wenn eine Kachel kein Katalogmodell sein soll, sondern ein Unikat.

Die reine Handarbeit in Ton bleibt dabei der geläufigste Weg, Kundenwünsche oder eigene Entwürfe umzusetzen – ein Hafner modelliert direkt, was am Ende gebrannt wird. Daneben haben sich in Manufakturen inzwischen digitale Verfahren etabliert, die dieses Handwerk nicht ersetzen, sondern ergänzen. Eine digitale 3D-Zeichnung lässt sich per CNC-Fräse aus einem massiven Block herausarbeiten, bevor sie von Hand nachbearbeitet wird. Für die originalgetreue Rekonstruktion historischer Kacheln – etwa bei der Sanierung eines alten Grundofens – kommt berührungsloses 3D-Scannen zum Einsatz: Die bestehende Kachel wird digital vermessen, am Bildschirm bearbeitet und als Form für den 3D-Druck aufbereitet. Selbst die klassische Abformung einer historischen Kachel in Masse hat weiterhin ihren Platz, wenn es um denkmalgerechte Reproduktionen geht.

Diese Entwicklung zeigt sich nicht nur in der Fertigung einzelner Kacheln, sondern auch im Systemdenken der Hersteller. Sogenannte Konzept-Speicheröfen bündeln bewährte Bauweisen in einem planbaren System: Der Aufwand für die Planung sinkt, während zahlreiche Formen und nahezu alle Glasuren zur Auswahl stehen – entstanden ist die einzelne Feuerstätte am Ende trotzdem ausschließlich vor Ort, durch die Hand des Ofenbauers. Wer sich einen Eindruck von dieser Bandbreite verschaffen möchte, sollte sich Zeit für den Besuch einer aktuellen Ausstellung nehmen: Farben, Oberflächen und Strukturen wirken auf Musterwänden und im direkten Vergleich oft anders, als es ein Foto oder ein Katalog zeigen kann.

Für Kunden heißt das vor allem eines: mehr Möglichkeiten, ohne dass die Kachel deshalb weniger individuell würde. Maßanfertigungen nach exakten Vorgaben, ein ins Sockelrelief eingearbeitetes Baujahr, eine Kachel, die exakt auf einen bestimmten Heizeinsatz zugeschnitten ist – solche Sonderwünsche lassen sich heute präziser umsetzen als früher, gerade weil digitale Werkzeuge die handwerkliche Feinarbeit vorbereiten, statt sie zu ersetzen. Das Ergebnis bleibt, was es immer war: ein Einzelstück, keine Serienware aus eingeschränkter Musterauswahl.

Wer einen Kachelofen plant oder saniert, kann diese Bandbreite für sich nutzen – vom historischen Nachbau bis zum völlig neuen Design. Der Ofen- und Luftheizungsbauer vor Ort weiß in der Regel, mit welcher Manufaktur sich welches Vorhaben am besten umsetzen lässt, und kann vermitteln, was technisch möglich und was mit vertretbarem Aufwand sinnvoll ist. Digital ist hier kein Gegensatz zum Handwerk. Es ist das Werkzeug, mit dem das Handwerk auch morgen noch Antworten auf sehr persönliche Wünsche findet.