Offener Kamin: Das Feuer, das man liebt und die Wahrheit, die man kennen sollte
Kaum ein Einrichtungselement polarisiert so sehr wie der offene Kamin. Die einen schwören auf sein Knistern, das direkte Feuererlebnis und die unvergleichliche Atmosphäre. Die anderen warnen vor schlechter Effizienz, hohen Emissionen und drohenden Verboten. Was stimmt wirklich und was ist Mythos? Dieser Artikel klärt auf, ausschließlich auf Basis geprüfter und offizieller Quellen.
10–20 %
Wirkungsgrad eines offenen Kamins. Der Rest entweicht durch den Schornstein.
nicht betroffen
Offene Kamine sind von der BImSchV-Sanierungspflicht gänzlich ausgenommen.
bis 83 %
Wirkungsgrad nach Nachrüstung mit einer Kaminkassette.
Die 5 häufigsten Mythen und was wirklich dahintersteckt
🔥
„Der offene Kamin heizt das Zimmer richtig auf."
Falsch
Mit einem Wirkungsgrad von nur 10–20 % ist der offene Kamin eine atmosphärische Feuerstätte, aber kein Heizsystem. Ein Großteil der erzeugten Wärme entweicht ungenutzt durch den Schornstein, was offene Kamine für das Beheizen eines Raumes ungeeignet macht. Er eignet sich nicht als zentrales Heizsystem der Wohnung. Wer wirklich heizen möchte, braucht eine Kaminkassette oder einen Kaminofen.
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„Offene Kamine sind ab 2025/2026 verboten."
Falsch
Das ist einer der hartnäckigsten Irrtümer rund um das Thema Kamin. Laut Bundesumweltministerium sind offene Kamine von der Sanierungspflicht der 1. BImSchV gänzlich ausgenommen – sie unterliegen weder einer Nachrüstungs- noch einer Austauschpflicht. (bundesumweltministerium.de, Dez. 2025).
Die Übergangsfristen für ältere Einzelraumfeuerungsanlagen betreffen ausdrücklich nur geschlossene Kamin- und Kachelöfen mit Typschild und nicht den offenen Kamin. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Feuerstätte betroffen ist, klärt das der zuständige Schornsteinfeger im Rahmen der regulären Feuerstättenschau.
🌳
„Mehr Holz = mehr Wärme."
Falsch
Zu viel Holz im Kamin kann die Luftzirkulation behindern. Das führt zu unvollständiger Verbrennung und erhöhten Emissionen. Weniger, aber trockenes Holz erzeugt mehr Nutzwärme und sauberere Verbrennung. Holz sollte auf eine Restfeuchtigkeit von unter 20 % getrocknet sein: Feuchtes Holz erzeugt Rauch, Geruch und Schadstoffe.
☁️
„Offene Kamine sind grundsätzlich umweltschädlich."
Teilweise wahr
Moderne Kamine erfüllen mit der richtigen Technologie und optimaler Verbrennung strenge Umweltvorgaben. Mit einem Kamin greift man auf Holz als erneuerbare Energiequelle zurück und durch saubere Verbrennung und optimierte Luftzufuhr lässt sich der Feinstaubausstoß minimieren. Der offene Kamin hat allerdings tatsächlich hohe Emissionen: Was ein Grund ist, ihn nicht als dauerhafte Heizquelle zu nutzen. Wer ökologisch heizen will, braucht eine geschlossene Feuerstätte mit modernem Heizeinsatz.
🔧
„Den offenen Kamin zu modernisieren ist teuer und aufwendig."
Falsch
Aufgrund der Anfertigung von Kaminkassetten nach Maß ist beim Nachrüsten kein teurer Umbau des offenen Kamins notwendig. Die neue, passgenaue Kaminkassette wird einfach in die vorhandene Kaminöffnung eingeschoben. Die Nachrüstung kann innerhalb weniger Stunden erfolgen. Die Optik bleibt erhalten und der Wirkungsgrad steigt von 10–20 % auf bis zu 83 %.
Was offiziell gilt: Die Rechtslage auf einen Blick
Bundesumweltministerium · 1. BImSchV · Stand Dezember 2025
Von der Sanierungspflicht gänzlich ausgenommen sind laut Bundesumweltministerium:
Offene Kamine
Grundöfen (handwerklich gesetzte Kachelöfen aus mineralischen Speichermaterialien)
Herde und Backöfen unter 15 kW Nennwärmeleistung
Badeöfen
Einzelraumfeuerungsanlagen als einzige Heizquelle einer Wohneinheit
Kamine und Öfen, die vor 1950 hergestellt oder errichtet wurden
Quelle: bundesumweltministerium.de/themen/luft/uebergangsregelungen-der-1-bimschv
Die Lösung: Kaminkassette nachrüsten
Eine Kaminkassette ist eine geschlossene Brennkammer, die in den offenen Kamin eingesetzt wird. Die Optik der Feuerstätte bleibt erhalten und von der Kaminkassette sehen Sie im Idealfall nur die Sichtverglasung. Der Wirkungsgrad kann dabei auf rund 80 % gesteigert werden.
Laut Norm DIN 18895 Teil 3 muss für Kaminkassetten ein Wirkungsgrad von mindestens 70 % vorliegen. Da außerdem weniger Abgase in den Innenraum gelangen, wirkt sich das positiv auf Gesundheit und Wohlbefinden aus.